Oktober 2018

Bahnfahren wird etwas teurer.
Die Preise für Bahnfahrten werden ab Dezember 2018 durchschnittlich um 0,9 % steigen. Damit liegt der Anstieg unterhalb der allgemeinen Inflationsrate von derzeit 2,3 %. Gleichzeitig mit der Preisanhebung soll aber auch das Angebot verbessert werden.

Viele Bahnprojekte in Oberbayern – in der Warteschleife.
Über 20 Ausbaumaßnahmen im oberbayerischen SPNV hat das bayerische Verkehrsministerium noch auf der Warteliste, weil die 2. Stammstrecke zuerst realisiert wird. Doch sind zur Ergänzung weitere Projekte dringend umzusetzen. Neben einem S-Bahn-Ring um München sollen auch bisher eingleisige Außenzweige durch weitere Gleise ergänzt und leistungsfähiger gemacht werden. Insgesamt 28 Projekte wurden der Öffentlichkeit vorgestellt.

Münchner Verkehrsverbund unter neuer Leitung.
Nach über 21-jähriger Tätigkeit als Geschäftsführer des MVV tritt Alexander Freitag in den Ruhestand. Auf seinen Nachfolger Bernd Rosenbusch warten viele Aufgaben. Dazu gehören neben der Integration der 2. Stammstrecke der Ausbau des Nordrings, die Ertüchtigung der S-Bahn-Außenäste, die Kürzung der Takte, die Einführung der neuen Tarifstruktur, die Erweiterung des Verbundraums und ein modernes Ticketing. Ein gutes Angebot schaffe auch eine verbesserte Nachfrage, meint der neue Geschäftsführer.

Kampf um die Tarifreform.
Der 1. Entwurf der Tarifreform des MVV ist bei den Münchner Landkreis-Kommunen auf wenig Zustimmung gestoßen. Aus dem Landkreis wurde die Forderung gestellt, die Tarifzonen des Landkreises in die Kernzone der Landeshauptstadt einzubeziehen, um ungerechte Tarifsprünge zu vermeiden. Nun gehen die Verhandlungen in eine weitere Runde mit dem Ziel, die Härten abzubauen; das könnte gelingen, wenn der Freistaat die Mindereinnahmen des MVV ausgleicht.

Weiterhin Auseinandersetzung um den Brennerzulauf.
In den Inntalgemeinden zwischen Kufstein und Rosenheim baut sich massiver Widerstand gegen 2 zusätzliche Bahngleise für den Brennerzulauf auf. Man möge doch die bestehenden Gleise ausbauen und notwendige Überholstellen einrichten, heißt es. Seitens Bundesregierung und österreichischer Landesregierung wird aber die 4gleisige Bahnstrecke gefordert. Indessen hat sich der bayerische Ministerpräsident in einer Fernsehsendung für zusätzliche Gleise in einem Tunnel ausgesprochen.

Dialog an der Strecke München-Grafing.
Auch die Bahnstrecke Rosenheim-München gehört zum Brenner-Zulauf. Dementsprechend kümmert sich die DB um deren Ertüchtigung. Zwischen Grafing und München ist die Strecke jetzt schon 4gleisig. Derzeit geht es um die Stärkung deren Kapazität mittels ETCS, d.h. um eine dichtere Zugfolge. Die Anwohner erwarten einen verbesserten Lärmschutz, können aber nur auf ergänzende Maßnahmen hoffen, weil es sich um eine Bestandsstrecke handelt. In einem jetzt beginnenden Dialogprozess will die Deutsche Bahn ihre Planungen mit den angrenzenden Gemeinden abstimmen.

Fernverkehr der Zukunft.
Im Bundesverkehrsministerium wird über die Leistungssteigerung des Schienen-Personen-Fernverkehrs nachgedacht. Kernpunkt ist ein Halbstunden-Takt auf den Hauptlinien der DB mit zeitlich abgestimmten Umsteigemöglichkeiten. Die dazu erforderlichen Maßnahmen müssen aber noch geschaffen werden: Ausbau des Gleisnetzes, Einführung von ETCS und Anpassung der Bahnhöfe. Die Vollendung dieser Maßnahmen wird sich nach heutigen Vorstellungen bis 2030 hinziehen.

Immobilie mit Geschichte.
Über viele Jahre bemühten sich der Verein Vabosh und die Gemeinde Oberschleißheim um den Erwerb des stillgelegten alten Bahnhofs zwischen den beiden Bahnübergängen des Ortes. Im Sommer überraschte die Liegenschaftsverwaltung der DB mit der Verkaufsfreigabe und einer Bieterfrist von 7 Tagen. Weder die Gemeinde noch der Verein erhielten den Zuschlag, sondern ein unbekannter Bieter. Diese Entscheidung der DB-Tochter wurde in Oberschleißheim mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Nach deren Protest hat die DB eingelenkt, da die notarielle Beurkundung noch nicht erfolgt sei. Die Angelegenheit ist also immer noch offen.

Elektrifizierung München-Lindau kommt voran.
Im März begannen die Bauarbeiten zur Ertüchtigung der Bahnstrecke München-Lindau. Jetzt freut man sich über den ersten Erfolg, weil die Elektrifizierung zwischen Buchloe und Leutkirch erfolgt sei und die Strecke nach monatelangem Schienenersatzverkehr wieder in Betrieb genommen werden kann.

Neues Betriebsprogramm auf Probe.
Am Münchner Ostbahnhof und in Laim wird die Reihenfolge der S-Bahnen zur Einfahrt in die Stammstrecke geregelt. Damit durchqueren die Bahnen in stets gleicher Richtungs-Reihenfolge den Stammstreckentunnel, übertragen damit aber auch Verspätungen an die nachfolgenden Bahnen. In einem einwöchigen Versuch testet die S-Bahnen nun die Lockerung dieses Prinzips, die Bahnen dürfen in der Versuchsphase in der Reihenfolge in die Stammstrecke einfahren, in der sie an den Knotenpunkten eintreffen. Dadurch soll vermieden werden, dass sich Verspätungen auf einer Linie auf eine andere Relation übertragen.

Starnberg bekommt Straßentunnel.
Die Bürger Starnbergs werden in einem neuen Informationscenter über den geplanten Straßentunnel informiert. Die Straßen-Röhre unter dem Stadtkern wird ca. 2 km lang werden, sie soll der Stadt notwendige Entlastung vom Durchgangsverkehr zwischen Autobahnende und Bundesstraße B2 bringen. Einstweilen geht es um die Zugangsbauwerke, die Tunnelbohrung wird in ca. 2 Jahren beginnen. Die Tunnelpläne werden von vielen Bürgern Starnbergs abgelehnt, die Gegner unterlagen aber in einem Bürgerbegehren.

Inntal in der Diskussion.
Viel Gegenwind trifft die DB im Inntal zwischen Rosenheim und Kufstein in der Frage des Bahnstreckenausbaus. Noch fehlt eine belastbare Schienen-Verkehrs-Prognose, dementsprechend gibt es bislang auch noch keinen festen Trassenvorschlag für 2 weitere Gleise. Und solange die Streckenführung nicht vorliegt, kann auch keine Nutzen-Kosten-Analyse berechnet werden, die Grundlage für eine Planfeststellung ist. Die deutschen Inntalbewohner hoffen darauf, dass die Ertüchtigung der bestehenden Strecke (mit ETCS-Technik und längeren Güterzügen) weitere Gleise überflüssig machen könnte. Das Land Tirol fordert hingegen weiterhin die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und praktiziert wiederkehrend die Lkw-Blockabfertigung.

Über den Tunnel an der S8 zwischen Daglfing und Johanneskirchen.
Die Teilnehmer der Bürgerversammlung Bogenhausen fordern rasche und zeitlich abgestimmte Baumaßnahmen bei der Entwicklung des neuen Stadtviertels SEM Nordost. Damit soll auch Druck gemacht werden, den geforderten Bahn-Tunnel an der S8 Strecke früher zu realisieren; bisherige Prognose ist 2038.

Hoffnung auf zweigleisigen Ausbau der S7-Strecke.
Die bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner hatte in einer Zusammenfassung alle offenen S-Bahn-Verbesserungen benannt und finanzielle Bemühungen zu deren Umsetzung in Aussicht gestellt. Auf entsprechende Umsetzung hofft die Bürgerinitiative S7 Ost-Plus, die auf den zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke zwischen Giesing und Kreuzstraße wartet. Indessen wird das bayerische Verkehrsministerium in neue Hände übergehen, wenn Frau Aigner nach der Regierungsumbildung eine neue Aufgabe übernimmt.